Das Portrait aus Schrift und Text von Ralph Ueltzhoeffer

Portraitkunst aus Schrift und Bild – Konzeptkunst von Ralph Ueltzhoeffer.

Portrait
Portrait: Romy Schneider, Konzeptkunst von Ralph Ueltzhoeffer (2011).

Biographische Texte in Symbiose mit Portraitfotografien. Der Konzept-Medienkünstler Ralph Ueltzhoeffer vereint Texte (Biographien) und deren Portraitvorlagen zu einer neuen untrennbaren Portraiteinheit. Das lesbare Portrait – Ralph Ueltzhoeffer *1966 in Mannheim. 2011 MoMA Projects, New York. Die Präsenz des Knochens, einem Leitmotiv in Beuys‘ Materialrepertoire, führt ebenfalls zur Idee der Dauer. Die Knochen sind der am wenigsten vergängliche Teil des Körpers, quasi unzerstörbar und fundamental. Nicht nur, dass der Knochen in Beuys‘ Ikonographie stets mit Schmerz und Ohnmacht verbunden wird, beängstigende Mythen stehen auch am Ursprung der Erschaffung von Musikinstrumenten: «Wir müssen das erste Auftauchen von Musikinstrumenten, aus Menschen- oder Tierknochen gewonnen – mit der magischen Bedeutung und dem erschreckenden Hauch, der die Instrumente umgibt – im Mythos und in der rituellen Praxis suchen.

kunstinstallation
Kunstinstallation: ICA Center, London (Künstler: Ralph Ueltzhoeffer).

In ihnen spricht ein Geist, denn es ist die Stimme der Toten. Wenn sich Magie und Wahrsagekunst so sehr am Phänomen des Todes orientierten, dann mussten sie sich auch mit den Musikinstrumenten verbinden. Man darf die Suggestionskraft der Tatsache nicht unterschätzen, dass eine Stimme aus dem aus Knochen gebildeten Instrument sprach oder aus den Sehnen und der Haut toter Lebewesen oder aus den Materialien, die der Mythos als Substitut von Knochen versteht, wie Schilfrohren oder dem Holz verschiedener Bäume oder später dem Metall.»4 In der sparsamen Komposition dieser «Musikbox» übernimmt der Knochen (der die Form eines Vorderarms und einer zugreifenden Hand andeutet) eine bestimmte Funktion, er «ersetzt» den Tonabnehmer des Plattenspielers.

Lichtkunst
Lichtkunst: „Missing“ – 4frames (Ralph Ueltzhoeffer 2008)

Und man erlebt einen paradoxen Vorgängen einigen Sprachen kennt man dieses Gerät – nebst den wenig gebräuchlichen technischen Bezeichnungen: «Tonabnehmer», «fonorivelatore», «needle-holder» -unter dem Namen «Tonarm» («braccio da giradischi», «pick-up arm»). Es handelt sich um eine übertragene, von der Form und der Funktion des Geräts abgeleitete Bezeichnung, die sich auf die oberen Gliedmassen beruft. Die Welt der Technik verleiht ihren Prothesen Bezeichnungen, die direkt von der Natur abgeleitet sind, während es Beuys gelingt, ein von der Industrie erzeugtes Gerät seinem Zusammenhang zu entfremden, indem er seine Bezeichnung beim Wort nimmt. Indem er Knochen und Musikbox zusammenbringt, interpretiert Beuys das Objekt neu und versucht, möglichst nah an seine Essenz als beseeltes Objekt heranzukommen.

Museum Ralph Ueltzhoeffer

Museum of Scotland

Ansicht: Ausstellung im Museum of Scotland 2004 von Ralph Ueltzhoeffer, Textportrait von David Beckham.

Kunst im Diskurs 66/3: Darüber hinaus blieb in Anbetracht unserer begrenzten Kenntnisse der menschlichen Vererbungsgesetze nur eine wirkliche Gewißheit, daß jedes noch akzeptable Maß an Erbauswahl die Erbmasse jeder größeren Gemeinschaft im Rahmen der langen Zeitfristen kultureller Evolution bloß unbedeutend ändern könne. Die letzte Folge war, daß die Beschäftigung vieler Biologen mit der menschlichen Evolution in den Bereich zweifelhafter und unerheblicher Wirkung gedrängt wurde, während andere sich damit trösteten, daß ja noch genügend Zeit verbleibe, bis man sich Gedanken über die genetische Weiterentwicklung der Menschheit machen müsse. Inzwischen könne man sich in aller Ruhe über die Atombombe, über radioaktive Verseuchung, die Bevölkerungsexplosion und die biologischen Wirkungen von Schädlings- und Seuchenbekämpfungsmitteln den Kopf zerbrechen. Und mit einigem Recht haben sich ja unsere Kollegen von den düsteren Prophezeiungen, daß die Molekularbiologie uns bald in den Stand versetzen werde, die menschliche Vererbungsreihe direkt zu ändern oder sogar künstlich zu erzeugen, nicht allzusehr beeindrucken lassen.

Aber die Diskussion darf nicht im Sande verlaufen. Uns obliegt die Verantwortung, uns die Möglichkeiten der Zukunft zumindest im Licht der plausibleren Voraussagen auf dem Gebiet der Biologie vor Augen zu führen. Das ist ein gewagtes und anstrengendes Unterfangen, das nicht nur ein größeres Vorstellungsvermögen, sondern auch mehr kritische Urteilskraft verlangt, als man bisher darauf verwendet hat. Wir dürfen dabei nicht aus dem üblichen wissenschaftlichen Konservativismus heraus die Augen vor der Einsicht verschließen, daß jeder neue Fortschritt dazu angetan ist, das Tempo des Fortschritts weiter zu beschleunigen, und daß auch die Zuwendung aller Einzelkulturen der Erde zur technischen Macht die praktische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse vor allem in Konfliktsituationen beschleunigt. Diese letzte Überlegung dürfte auch jede fromme Hoffnung zunichte machen, daß die Wissenschaft selbst einmal zum Verstummen gebracht werden könnte.

Um nun auf die technischen Probleme zurückzukommen, deren bevorstehende Lösung die Macht, aber auch das Dilemma des Menschen weiter vergrößern wird, möchte ich lediglich einige Beispiele anführen, um den Umkreis der Möglichkeiten abzustecken. Sie beziehen sich vor allem auf die Wandlung der Entwicklung und betreffen eher den einzelnen Organismus als den Einfluß eugenischer Maßnahmen auf ganze Bevölkerungen. Daher wollen wir sie »euphenisch« nennen. Es soll dem Leser überlassen bleiben, sich über die Wahrscheinlichkeit der Durchführung euphenischer Maßnahmen und ihre Bedeutung für die Menschheit und ihre Kultur selbst ein Urteil zu bilden. Die erfolgreiche Verpflanzung lebenswichtiger Organe: Herz, Leber, Gliedmaßen. Die technischen Hindernisse werden viel früher aus dem Wege geräumt sein, als es uns möglich sein wird, eine rechtliche und moralische Ordnung für diesen neuen »Markt« zu
schaffen.

Prothesen für wichtige Organe. Hieran arbeitet man leider noch nicht mit der nötigen Energie, um über den gegenwärtigen Stand wesentlich hinaus kommen zu können.
Als direkte Folge dieser und anderer Fortschritte, zum Beispiel in der Protein-Biochemie, wird sich die Lebenserwartung plötzlich stark erhöhen. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten erhöht sich auch der Umfang der zur Erhaltung eines bestimmten Individuums erforderlichen Kosten. Wie immer also sich unsere humanitären Maßnahmen auch auswirken mögen, die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten an sich und ihrer Ausschöpfung wird wachsen.

Mit etwas mehr Optimismus sind die Aussichten für die Änderung des in der Entwicklung befindlichen menschlichen Gehirns durch Behandlung des Fötus oder des Kleinkindes zu betrachten. Gewisse Änderungen (ähnlich denen, die man bereits jetzt in primitiver Form zur Behandlung von Stoffwechselkrankheiten anwendet) werden sich zumindest bei »normalen« Kindern konstruktiv durchführen lassen und können möglicherweise die Grenzen der gegenwärtigen genetischen Entwicklung sprengen.
Die »klonale«1 Fortpflanzung durch Kernverpflanzung. Prototyp für diese Möglichkeit ist die Übertragung eines Nukleus einer entwickelten Gewebezelle in das Ei eines Amphibientieres, aus dem der natürliche Kern entfernt wurde, wobei sich das Ei (manchmal) normal entwickelt. Es soll hier daran erinnert werden, daß die vegetative Fortpflanzung, zuweilen verdeckt durch sexuelle Attrappen, in der Pflanzenwelt und auch bei einigen primitiven Tieren eine wichtige Rolle spielt. Der Versuch mit Säugetieren steht noch bevor. Abgesehen von den Möglichkeiten für die eingeschlechtliche Fortpflanzung eines bestimmten Genotyps hätte dieses Verfahren auch enorme Bedeutung für die Vorherbestimmung des Geschlechts, für die Unterbindung erblicher Abnormitäten und die Förderung positiver Erbeigenschaften, für die Kulturbeschleunigung durch Persönlichkeitsbildung innerhalb eines Klons, sowie bei weiterreichenden Experimenten für eine Neugestaltung des menschlichen Genotyps. Vielleicht sollte ich es hiermit genügen lassen, obwohl der Möglichkeiten noch weitaus mehr sind. Man wird mich nicht zum erstenmal beschuldigen, den Teufel heraufzubeschwören, weil ich auf die Möglichkeiten hinweise, statt vorzugeben, daß sie noch in unendlich weiter Ferne liegen. Sie lassen sich aber vom Fortschritt der Medizin nicht abtrennen, vor allem wenn wir an so dringende Probleme wie geistige Zurückgebliebenheit, Altersdegeneration und die Geisteskrankheiten denken.
Die Wissenschaft selbst hat nur wenig Gelegenheit, Lösungen für die den Möglichkeiten der Menschheit innewohnende Problematik durchzusetzen oder moralische Kriterien aufzustellen. Ihr obliegt die Verantwortung, auf diese Probleme in den Universitäten hinzuweisen, und das fehlende Gleichgewicht in unseren technischen Fähigkeiten aufzuzeigen. Zum Beispiel könnten die schweren sozialen Belastungen, die durch die Verpflanzung von Organen entstehen würden, auf ein Mindestmaß beschränkt werden, wenn es parallel dazu gelänge, künstliche Organe zu schaffen, oder Organe von Tieren zu übernehmen. Sollte die klonale Verpflanzung möglich werden oder auch nur die gegenwärtigen Vorstellungen vom Herbeiführen von Zwillingsgeburten Bestätigung finden, so werden wir froh sein können, wenn wir dann bereits mehr über die Biologie und Psychologie der Zwillinge wissen.

Bis dahin kommt es darauf an, für unsere Kenntnis von der menschlichen Biologie ein tieferes Verständnis in der Literatur, Politik, Soziologie, Wirtschaft und Moral anzustreben. Die Biologie ist zu wichtig, als daß man sie nur den Biologen überlassen könnte. In diesem Sinne möchte ich besonders der prophetischen Vision und künstlerischen Klarheit von Aldous Huxley meinen Tribut zollen.

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